Branche braucht westliche Zulieferungen und Dienstleistungen / Von Uwe Strohbach
Der turkmenischen Öl- und Gaswirtschaft stehen goldene Zeiten ins Haus. Das Land will seine riesigen Kohlenwasserstoffvorkommen mehr denn auf die internationalen Märkte pumpen. Mit der sich im Bau befindende Gaspipeline von Turkmenistan nach China ist das Land diesem Ziel ein deutliches Stück näher gerückt. Neue große Erdgasfunde und der angestrebte Ausbau der Ölförderung versprechen ausländischen Ausrüstungslieferanten wachsende Lieferchancen. Die nächste Öl- und Gasmesse bietet sich als Plattform für den Markteinstieg an.
Turkmenistan ist in der Erdgasförderung schon heute der Branchenprimus unter den drei zentralasiatischen Öl- und Gasnationen Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan. Neue riesige Erdgasfunde sprechen dafür, dass das Land seinen Vorsprung vor den Rivalen weiter ausbauen kann und das sich die Branche zu einem wahrlichen Investitionseldorado in der nur 7 Mio Einwohner zählenden Republik entwickeln wird.
Offizielle Angaben über die turkmenischen gesamten Gasvorräte gibt es nicht. Inoffizielle Quellen sprechen von Reserven von bis zu 25 Bill cbm. Internationale Analysen geben die gegenwärtig nutzbaren Gesamtvorräten mit etwa 5 Bill cbm und die nachgewiesenen Vorräte mit rund 2,7 Bill cbm an. Doch diese Angaben sind offensichtlich überholt. Das unabhängige britische Beratungsunternehmen Gaffney, Cline & Associates (GCA) kam in seinem jüngsten Report über die Reserven in der Lagerstätte Süd-Yolotan-Osman zu dem Ergebnis, dass allein diese wahrscheinlich viert- bis fünftgrößte Erdgaslagerstätte der Welt über gigantische Vorräte von vier bis 14 Bill cbm verfügt.
Kaum minder ambitioniertere Ziele verfolgt der Wüstenstaat bei seinem schwarzen Gold. Die gesamten Ölvorräte gibt die Regierung mit etwa 12 Mrd t Öl und Gaskondensat an. Die Ölförderung soll bis 2020 auf 30 Mio t steigen.
Das in der Geschichte Turkmenistans bisher höchste Förderaufkommen betrug zuzeiten der UdSSR 17 Mio t. Anfang der 1990er Jahre erreichte das jährliche Förderaufkommen kaum mehr als 5 Mio t. Im Jahr 2008 haben die Förderunternehmen des Staatlichen Konzerns Turkmenneft in rund 20 Lagerstätten, insgesamt 7,96 Mio t Öl gefördert. Das waren 0,52 Mio t mehr als im Vorjahr. Für 2010 wird unter Einschluss der kleinen Fördermenge des Staatlichen Konzerns Turkmengas eine Förderquote von 10,9 Mio t angepeilt.
Der gesamte Wirtschaftszweig unterliegt einer strengen staatlichen Kontrolle. Die Fäden für den Ausbau der Öl- und Gaswirtschaft werden von dem für den Brennstoff- und Energiekomplex zuständigen stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerkabinetts Turkmenistans, B. Chodshamuchammedow, gezogen. Ihm unterstehen direkt die staatlichen Konzerne Turkmengas und Turkmenneft. Mit einem im August 2008 verabschiedeten Gesetz hat die Regierung die staatliche Regulierung im Öl- und Gassektor noch verstärkt. Ohne eine direkte Mitwirkung des Staates lässt sich in der turkmenischen Öl- und Gaswirtschaft auch ein noch so kleines Projekt nicht realisieren.
Bisher gibt es in der Branche nur einige wenige internationale Investoren. Zu nennen sind vor allem die Unternehmen Burren Energy und Dragon Oil. Die zuerst genannte Fördergesellschaft befindet sich seit Dezember 2007 im Besitz des italienischen Energiekonzerns Eni. Für den Einstieg zahlte der Konzern fast 3,3 Mrd USD. Im Juli dieses Jahres unterzeichneten der Präsident Turkmenistans und das Management des deutschen Energiekonzerns RWE AG eine Production-Sharing-Vereinbarung. Der Konzern erhielt die Rechte zur Erkundung des Blocks 23 im südöstlichen Teil des Kaspisees und - sofern Gasvorkommen entdeckt werden - erhält er auch eine Förderlizenz für 25 Jahre. Das Lizenzgebiet umfasst eine Fläche von 940 qkm.
Quelle NfA/6.8.2009


