Kroatiens Investitionsklima ist verbesserungswürdig. Das ergab eine Umfrage der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer zur aktuellen Wirtschaftslage und zum Investitionsstandort Kroatien. Eine zum Teil sehr kritische Einschätzung dominierte dabei, allerdings ist bei den Geschäftsaussichten für 2013 wieder mehr Optimismus spürbar. Die Ergebnisse wurden am 12.3.13 aus Anlass des Kroatien-Besuchs von Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler präsentiert. (Kontaktanschrift)AHK-Konjunkturbefragung bestätigt positive Erwartungen durch EU-Beitritt / Strukturreformen notwendig
Fast zwei Drittel der insgesamt 85 teilnehmenden Mitgliedsunternehmen stufen die Geschäftslage ihres Unternehmens als befriedigend und über ein Viertel sogar als gut ein. Bei den Einschätzungen macht sich gegenüber 2012 wieder leichter Optimismus bemerkbar. So erwarten 39% der befragten Firmen eine Verbesserung (2012: 28%). Statt wie im Vorjahr 13% rechnen 2013 nur noch 7% mit einer Verschlechterung. Auch die Entwicklung der jeweiligen Branchen wird positiver bewertet als 2012. Etwa 63% der Befragten erklärten, die Zahl ihrer Beschäftigten 2013 nicht ändern zu wollen (2012: 52%). Ein Fünftel der Umfrageteilnehmer rechnet sogar mit Neueinstellungen.
Allerdings hat sich die Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage in Kroatien gegenüber dem Vorjahr weiter verschlechtert. (2013: 84%; 2012: 80%). Über die Hälfte der teilnehmenden deutschen und kroatischen Unternehmen gehen davon aus, dass sich daran auch 2013 nichts ändern wird. Auch mit der Bekämpfung von Korruption und Kriminalität sind die Befragten unzufrieden.
Als Vorteile des Wirtschafts- und Investitionsstandorts werden wie in den Vorjahren die günstige geografische und strategische Lage, qualifizierte, engagierte und motivierte Mitarbeiter mit teils sehr guten Sprachkenntnissen, die gut entwickelte Infrastruktur (Straßen, Häfen, Telekommunikation), noch ungenutzte wirtschaftliche Potenziale und natürliche Ressourcen, die baldige EU-Mitgliedschaft und politische Stabilität genannt.
Dringender Handlungsbedarf bestehe bei der Durchführung staatlicher Strukturreformen, der Verbesserung des Investitionsklimas sowie der Effizienz der öffentlichen Verwaltung und des Rechtssystems. Die Rechtssicherheit müssten gesteigert und Steuerreformen durchgeführt werden. Vor allem die kroatische Wirtschafts- und Investitionspolitik stehe in der Kritik. Von 20 osteuropäischen Ländern schaffte es Kroatien nur auf Platz 11 auf der Beliebtheitsskala.
Dino Dogan, Präsident der Deutsch-Kroatischen IHK, erläutert: "Es wird dringend die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Kroatiens gefordert. Dazu sollen Anreize für Investoren, wie Steuererleichterungen, geschaffen werden. Es gibt in Kroatien bereits eine Reihe deutscher Investitionen, die als gutes Beispiel dienen können. Darunter sind mittelständische Unternehmen, die mit einer ständig wachsenden Mitarbeiterzahl Produkte ausschließlich oder überwiegend für den Weltmarkt herstellen. Vom baldigen EU-Beitritt erwarten wir eine zusätzliche Dynamik."
Bewertung der Zufriedenheit mit den Standortqualitäten
| Mittelwert 2013 *) | Mittelwert 2012 *) | |
| EU-Mitgliedschaft | 2,09 | k.A. |
| Qualifikation der Arbeitnehmer | 2,34 | 2,29 |
| Akademische Ausbildung | 2,44 | 2,60 |
| Infrastruktur (Verkehr, IKT, Energie) | 2,64 | 2,63 |
| Produktivität und Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer | 2,68 | 2,61 |
| Verfügbarkeit von Fachkräften | 2,81 | 3,01 |
| Qualität und Verfügbarkeit lokaler Zulieferer | 2,85 | 2,73 |
| Berufsbildungssystem | 3,13 | 2,82 |
| Politische Stabilität | 3,26 | 2,89 |
| Zugang zu öffentlichen/EU-Fördermitteln | 3,35 | 3,68 |
| Bedingungen für Forschung und Entwicklung | 3,44 | 3,25 |
| Bekämpfung von Korruption, Kriminalität | 3,55 | 3,41 |
| Rechtssicherheit | 3,57 | 3,76 |
| Arbeitskosten | 3,63 | 3,61 |
| Transparenz der öffentlichen Vergabe | 3,76 | 3,64 |
| Flexibilität des Arbeitsrechts | 3,83 | 3,78 |
| Zahlungsdisziplin | 3,93 | 4,03 |
| Berechenbarkeit der Wirtschaftspolitik | 3,95 | 3,73 |
| Öffentliche Verwaltung | 4,05 | 3,91 |
| Steuersystem und -behörden | 4,06 | 3,89 |
| Steuerbelastung | 4,23 | 4,08 |
*) 1 = sehr zufrieden, 6 = sehr unzufrieden
Quelle: Wirtschaftsumfrage der DKIHK
Rund 60% der Teilnehmer an der Umfrage kamen aus dem Dienstleistungssektor, gefolgt vom Handel (20%) und verarbeitenden Gewerbe (14%). Bei 65% der Befragten liegt der Anteil des Exports am Gesamtumsatz des Unternehmens zwischen 0 und 20%, bei 20% zwischen 21 und 79% und bei 15% über 80%. Die Umfrage kann unter http://kroatien.ahk.de/laenderinfo/wirtschaftsumfrage-2013/ heruntergeladen werden.
Kontaktanschrift:
Deutsch-Kroatische Industrie- und Handelskammer (DKIHK)
Klaudia Orsanic-Furlan
Tel.: 00385 1/63 11 600
E-Mail: klaudia.orsanic-furlan@ahk.hr


