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Kroatien

Wirtschafts- und Finanzmarktausblick Kroatien


Wirtschafts- und Finanzmarktausblick Kroatien

 

  • ·          Die Rezession – eine unendliche Geschichte
  • ·          Am Tor zur EU
  • ·          Der lange, schwierige Weg zurück zum Investmentgrade-Rating
  • ·          Schuldpapieren fehlt Unterstützung von den Fundamentaldaten

 

Wirtschaftsausblick

Der Strom negativer Indikatoren hat sich Anfang 2013 fortgesetzt, wir scheinen

in das fünfte Rezessionsjahr in Folge zu gehen. Diese düstere Halbdekade war

gekennzeichnet durch Verzögerungen bei tiefgreifenden Reformen der staatlichen

Systeme (Bildungsreform, Reformen der Pensions-, Gesundheits- und Sozialsysteme

sowie Maßnahmen im Bereich staatlicher Unternehmen), die ganz

einfach unausweichlich sind, um Wirtschaftswachstum zu ermöglichen und die

Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu steigern. Dies gilt in besonderem Maße

im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt am 1. Juli 2013, ist doch offensichtlich,

dass Kroatien ansonsten nicht in der Lage sein wird, sämtliche Vorteile einer EUMitgliedschaft

und des riesigen gemeinsamen europäischen Marktes zu nutzen.

Die erste Hälfte dieses Jahres, die durch einen Abschwung infolge abnehmenden

Privatkonsums und fehlender Investitionen gekennzeichnet sein wird, dürfte sich

als besonders schwierig erweisen. Der Privatkonsum wird wegen der geringen

Beschäftigtenrate (hohe Arbeitslosigkeit), Reallohneinbußen und wegen des vorherrschenden

Pessimismus weiterhin gedämpft bleiben. Die angekündigten, aber

noch immer ungewissen Reformen im Staatssektor bedeuten eine zusätzliche Belastung.

Angesichts erschöpfter Staatsfinanzen und unzureichender Geldmittel

hat die Regierung bereits die Einstellung einiger Investmentprojekte angekündigt.

Für die zweite Jahreshälfte kann mit dem Aufkommen eines gewissen Optimismus

gerechnet werden. Abgesehen von der ohnehin zu Beginn der Tourismussaison

optimistischeren Grundstimmung und deren positive Auswirkungen auf die Nettoexporte,

erwarten wir uns deutlich sichtbare Auswirkungen der mit EU-Mitteln

finanzierten Investitionen, namentlich in den Bereichen Umweltschutz, (erneuerbare)

Energie und Transportinfrastruktur. Eine wirtschaftliche Erholung wird

schon allein deshalb zunächst auf EU-finanzierte Mittel und die Unterstützung

der Entwicklungsbanken angewiesen sein, weil die Budgetmittel ausgetrocknet

sind und für Privatinvestitionen die Rahmenbedingungen im Sinne einer Beseitigung

administrativer Einschränkungen, der Bereitstellung höherer rechts- und

Geschäftssicherheit und einer Herabsetzung der Steuerlast erst noch angepasst

werden müssen.

Finanzmarktausblick

EUR/HRK setzte 2013 seinen langsamen, doch beständigen Aufwärtstrend in

Richtung der Marke 7,60 fort. Im Jahresverlauf dürfte ein leichter Abwertungsdruck

infolge des schwachen ökonomischen Umfeldes, der fehlenden Kapitalzuflüsse

und der fortgesetzten FCY-Entschuldungstendenz aufrecht bleiben. Gleichzeitig

könnten die saisonal bedingte Aufwertung und der Druck auf HRK in der

Vor- und Hauptsaison (von April bis August) durch ein wahrscheinlich höheres

Maß an Bankrückstellungen für NPLs gedämpft werden, obwohl dies zu höheren

Deckungsquoten führt (Rückstellung/NPL). Solange EUR/HRK stabil bleibt, wird

die Zentralbank die extrem hohe Marktliquidität stützen, die zwar den Realsektor

noch nicht erreicht, doch der Regierung eine günstige Finanzierungsquelle

bereitstellt. In Entsprechung zur außerordentlichen Liquidität im Markt und im Gegensatz

zur aktuellen Wirtschaftssituation und den Wachstumsaussichten werden

die Geldmarktzinsen sowie die Renditen für Staatsanleihen bis zum Sommer ihre

Tiefstände beibehalten, gefolgt von einem langsamen Anstieg. Die (ausschließlich

auf die Verbesserung der globalen Marktstimmung zurückführbare) Verbesserung

bei den kroatischen CDS und Anleiherenditen schmilzt langsam dahin.

Die wahrscheinliche Verschlechterung der Marktstimmung in der Eurozone nach

den Turbulenzen im Gefolge der italienischen Parlamentswahlen werden im Verbund

mit dem schwachen wirtschaftlichen Umfeld die kroatischen CDS-Spreads

und insbesondere die Anleihekurse vor dem Hintergrund hoher Staatsschulden-

Tilgungen im Jahr 2013 unter Druck setzen.

Da Kroatien noch immer kein unmittelbares Liquiditätsproblem hat, denkt die

Regierung nicht an eine Vereinbarung mit dem IWF, obwohl dies den hausgemachten

Reformstau überwinden helfen könnte. Der Refinanzierungsbedarf wird

mittels einer weiteren inländischen Emission im Laufe des Sommers (wahrscheinlich

in Höhe von HRK 1,5 Mrd.) gedeckt. Aufgrund der hohen Aufnahmebereitschaft

der Marktteilnehmer (insbesondere Pensionsfonds) für Neuemissionen ist

eine kräftige Nachfrage gesichert. Des Weiteren ist die Fähigkeit eines erfolgreichen

Schulden-Rollovers auch von der Bereitschaft der einheimischen Banken

abhängig, früher gewährte Darlehen, die in diesem und im nächsten Jahr fällig

werden, zu verlängern, bzw. von deren Bereitschaft, mangels attraktiverer Investitionsmöglichkeiten

Staatsanleihen zu zeichnen.

 

Quelle: Raiffeisen Research