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Slowenien

Wirtschaftstrends Jahresmitte 2012 - Slowenien


Ljubljana (gtai) - Sloweniens Wirtschaft ist erneut in die Rezession abgeglitten und schrumpft 2012 voraussichtlich um gut 1%. Immer mehr Insolvenzen und notleidende Kredite belasten die unterkapitalisierten Banken sowie die Finanzierung der Wirtschaft. Wegen der Kreditklemme gehen die Investitionen weiter zurück. Die Regierung versucht, Haushaltssanierung und Wachstumsförderung unter einen Hut zu bringen und will Slowenien attraktiver für ausländische Investoren machen. Die Haushalte halten ihren Konsum 2012 noch aufrecht.

Inhalt

1 Gesamtwirtschaftlicher Ausblick

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts

Investitionen

Konsum

Außenhandel

2 Branchen im Überblick

Maschinen- und Anlagenbau

Kfz-Industrie

Chemie

Bauwirtschaft

Elektrotechnik/Elektronik

Informations- und Kommunikationstechnik

Umwelttechnik

Medizintechnik

Energieeffizienz

Holzverarbeitung

1 Gesamtwirtschaftlicher Ausblick

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts

Seit dem 3. Quartal 2011 entwickelt sich die Wirtschaftsleistung in Slowenien wieder rückläufig. Das BIP schrumpft 2012 voraussichtlich um rund 1%. Entscheidend für den Konjunkturverlauf ist kurzfristig vor allem die Entwicklung der Auslandsnachfrage nach, die wiederum in hohem Maße vom deutschen Kfz- und Maschinenexport abhängt. Der Überschuss im Warenhandel hat im 1. Quartal 2012 noch zum BIP-Wachstum beigetragen. Die Wertschöpfung in der Industrie stagnierte gleichzeitig. Gemäß der Prognose des führenden Wirtschaftsforschungsinstituts IMAD werden die Exporte 2012 real um 1 bis 2% zurückgehen und die Importe stagnieren.

Erheblich zugespitzt hat sich die Liquiditätskrise im Unternehmenssektor. Die Zahl der Insolvenzfälle ist im 2. Quartal sprunghaft angestiegen (+24% gegenüber 1. Quartal). Das schlägt sich unmittelbar bei den Investitionen nieder. Sie hatten in den ersten drei Monaten - wie schon 2011 - real um knapp 11% gegenüber der Vorjahresperiode nachgegeben und sollen auf Jahresbasis nun um rund 5% schrumpfen. Sloweniens Unternehmen gehören in der EU zu den am höchsten verschuldeten und tragen wesentlich zu der hohen Auslandsverschuldung des Landes bei (2011: 116,7% am BIP). Bei den Banken waren Anfang 2012 über 18% der Kredite an Unternehmen notleidend, gegenüber rund 12% vor Jahresfrist. Für Bauunternehmen hatte sich dieser Anteil auf rund 50% deutlich mehr als verdoppelt.

Der Staat ist im Bankensektor stark engagiert, in dem Kapitalaufstockungen immer dringlicher werden. Das lastet potenziell auf der Haushaltssanierung. Das Staatsdefizit will die Mitte-rechts-Regierung von Janez Jansa 2012 auf maximal 4% am BIP abbauen (2011: 6,4%) und 2013 auf 3%. Ein Sparpaket von 800 Mio. Euro konnte die Regierung größtenteils durchsetzen. Es bringt unter anderem Gehaltskürzungen im öffentlichen Sektor und Einschnitte beim Arbeitslosengeld. Der private Verbrauch, der im 1. Quartal überraschenderweise real um 1,4% zugelegt hatte, verspricht auf Jahresbasis leicht rückläufig zu sein. Für 2013 ist ausschlaggebend, inwieweit weitere Sparmaßnahmen durchsetzbar sind. Schwierige Strukturreformen, unter anderem die des Rentensystems, des Arbeitsrechts und des Gesundheitssystems stehen noch bevor.

Die Sparmaßnahmen werden flankiert von einem Wachstumsförderungsprogramm mit Rechtsänderungen zur Verbesserung der Zahlungsdisziplin und zur Verkürzung von Baugenehmigungsverfahren. Neue Staatsgarantien werden zur Investitionsförderung eingeführt und zusätzliche Mittel für öffentliche Infrastrukturprojekte bereitgestellt. Alle Staatsbeteiligungen sollen in einer Holding zusammengeführt werden, einschließlich einer "Bad Bank" zur Bereinigung der Bankbilanzen.

MKT201207248006.14

Wirtschaftliche Eckdaten

Indikator

2010

2011

Vergleichsdaten Deutschland 2011

BIP (nominal, Mrd. Euro), laufende Preise

35,4

35,6

2.571

BIP pro Kopf (Euro), laufende Preise

17.286

17.364

31.437

Bevölkerung (Mio.) *)

2,050

2,055

81,8

*) jeweils zum Jahresende

Quellen: Statistikamt Slowenien, IMAD, Statistisches Bundesamt

Investitionen

Nachdem im 1. Quartal 2012 die Bruttoanlageinvestitionen fortgesetzt zweistellig eingebrochen sind, mussten die Prognosen für das Jahr insgesamt zurückgeschraubt werden und liegen jetzt bei real -5%. Die jahrelange steile Talfahrt der Bauinvestitionen (2011: -20,3%) geht nach IMAD-Einschätzung im Verlauf von 2012 zwar zu Ende. Eine Wiederbelebung ist aber nicht in Sicht. Im 1. Quartal waren sie real noch um 13,6% niedriger als vor Jahresfrist. Neu hinzugekommen ist die Schwäche bei den Ausrüstungsinvestitionen. So importierte Slowenien in den ersten vier Monaten von 2012 nominal um 1% weniger Maschinen und Anlagen als in dem vergleichbaren Zeitraum von 2011, während diese Einfuhren im Vorjahr noch um 8% zugelegt hatten. Auch die Nutzfahrzeug- und Pkw-Importe wiesen nach unten (-2% gegenüber +13%).

Kurzfristig dürften die Investitionen nur durch ein wieder aktiveres Exportgeschäft steigen. Auf Projekten, die auf Finanzierungen am Inlandsmarkt angewiesen sind, lastet die Kreditklemme. Andere Finanzierungsinstrumente sind wenig entwickelt. Die an Unternehmen vergebenen Kredite werden 2012 voraussichtlich noch einmal um 4 bis 5% niedriger als im Vorjahr sein - mit Zinsen von knapp 6% (im Frühjahr). Bei den staatlichen Infrastrukturmaßnahmen soll es künftig durch vereinfachte Genehmigungsverfahren Fortschritte geben. Vor allem die Energieprojekte kommen nur sehr schleppend voran und neue große Bahnvorhaben sind nach Experteneinschätzung trotz EU-Cofinanzierungen für Slowenien kaum zu schultern.

Ausgewählte Großprojekte in Slowenien

Projektbezeichnung

Investitionssumme (in Mio. Euro)

Projektstand

Anmerkung

Kernkraftwerk Krsko, 1. neuer Block / 2. Laufzeitverlängerung bis 2043

3.000/400

Planungsphase

GEN Energija, http://www.gen-energija.si

Wärmekraftwerk Sostanj, Block 6 (600 MW)

1.400

Hauptverträge vergeben; Fertigstellung rund zur Hälfte, Kostenprobleme

Holding slovenske elektrarne(HSE), http://www.hse.si; zum Teil Finanzierungshemmnisse

Zehn Wasserkraftwerke am mittleren Lauf der Save

1.300

Planungsphase

HSE, http://www.hse.si; GEN Energija, http://www.gen-energija.si; gepl. Baubeginn 2014

Wasserkraftwerke am unteren Lauf der Save (Brezice u. Mokrice / Pumpkraftwerk Kozjak an der Drau (400 MW)

200/400

Planungsphase; langwierige Planungsverfahren

HSE; http://www.hse.si; geplanter Abschluss: 2018

Bahnmodernisierung und -erweiterung Triest-Divaca / Divaca-Koper

1.064/900

Für neue EU-Finanzperiode ab 2014 in Planung

Verkehrsministerium; http://www.mzp.gov.si¸ http://www.dri.si

Nord-Süd-Schnellstraße (sogenannte 3. Achse)

2.053

Planungsphase

DARS; http://www.dars.si

Passagier- und Frachtterminal am Flughafen Ljubljana

115

Entscheidung zum Bau des Passagierterminals im Laufe von 2012

Aerodrom Ljubljana; http://www.lju-airport.si

Müllverbrennungsanlagen Ljubljana und Maribor

150

Planungsphase

TE-TOL Ljubljana; http://www.te-tol.si

Gaspipeline "South Stream" (slowenischer Anteil)

500 bis 1.000

Gründung des Gemeinschaftsunternehmens mit Gazprom

Geoplin plinovodi; http://www.geoplin-plinovodi.si

Containerterminal Koper (Kai 3)

100

PPP-Modell in Erwägung

Luka Koper; http://www.luka-kp.si

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Potenzielle Investoren und Unternehmen, die nach Slowenien exportieren wollen, sollten bei ihrer Entscheidung über den Markteintritt das Stärken-Schwächen-Profil des Standorts und die damit verbundenen Chancen und Risiken (SWOT-Analyse) berücksichtigen:

MKT201207248006.15

Konsum

Die abgespeckten Austeritymaßnahmen der slowenischen Regierung, die Anfang Juli in Kraft getreten sind, führen 2012 voraussichtlich noch nicht zu rückläufigen privaten Verbrauchsausgaben. Erst 2013 sollen diese real um rund 0,5% nachgeben - so die Prognosen zur Jahresmitte. Sehr schwach entwickelten sich in den ersten Monaten von 2012 bereits die Einzelhandelsumsätze (ohne Kraftstoffe). Von Januar bis Mai lagen sie real um gut 5% niedriger als vor Jahresfrist - für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren etwas mehr als für Gebrauchsgüter. Discountketten erfreuen sich in Slowenien zunehmender Beliebtheit. Die Konsumgüterimporte gaben in den ersten vier Monaten gegenüber der Vorjahreszeit nominal sogar um 14% nach. Die Haushalte, die gegenwärtig die bevorzugten Kunden der Banken sind, tilgen mehr Kredite als sie aufnehmen. Einen Trendwechsel gab es Anfang 2012 bei den Pkw-Registrierungen. Die Neuzulassungen, die seit 2009 stetig gewachsen waren, fielen im 1. Quartal gegenüber der Vorjahreszeit um rund 18% auf 14.551 zurück.

Statt um durchschnittlich 8% - wie zunächst anvisiert - reduzieren sich die Gehälter im öffentlichen Sektor durch das Sparpaket der Regierung nur um rund 3%. Betroffen sind davon 17% der Beschäftigten. Gekürzt wurden zudem bestimmte Altersbezüge und das Arbeitslosengeld. In der Wirtschaft bremst die schwache Konjunktur den Lohnanstieg. Rückläufige Reallöhne bei weiter steigender Arbeitslosigkeit (auf voraussichtlich gut 9%) lasten sowohl 2012 als auch 2013 auf dem Konsum.

Außenhandel

Die Aufnahmefähigkeit des slowenischen Marktes für Importe ist 2012 schwach. In den ersten vier Monaten nahmen die Wareneinfuhren gegenüber der Vorjahreszeit nur noch um 1,7% zu. Im Jahr 2011 waren sie noch um 12% gestiegen. Die Exportdynamik hat sich gleichzeitig von 12,9 auf 2,2% abgekühlt. Eine Belebung im weiteren Jahresverlauf ist nicht in Sicht. Allerdings könnten 2013 wieder mittlere einstellige Zuwachsraten erreicht werden. Erhöht haben sich in den ersten Monaten - preisbedingt - vor allem die Brenn- und Kraftstoffimporte. Die stärksten Rückgänge waren bei Kfz zu beobachten.

Mit Deutschland erzielt Slowenien einen Exportüberschuss, der sich Anfang 2012 weiter ausgedehnt hat. Auf Lieferungen nach Deutschland entfielen in den ersten vier Monaten 22% der slowenischen Exporte (2011: 20%). Slowenien ist Zulieferer der deutschen Automobil- und Maschinenbauindustrie und stark von deren Exportgeschäft abhängig. Deutsche Lieferungen an den slowenischen Markt haben sich Anfang 2012 leicht rückläufig entwickelt. Grund dafür ist vor allem die verringerte Kfz-Nachfrage, die auch für den Rest des Jahres anzuhalten droht. Demgegenüber konnte die italienische Exportindustrie in Slowenien Marktanteile gewinnen (Januar bis April 2012 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum:+12,2%) und in kleinerem Maßstab (+3,0%) auch der drittwichtigste Handelspartner Österreich.

Außenhandel Sloweniens (in Mio. Euro; nominale Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)

 

2010

2011

Veränderung 2011/2010

Importe

20.054,6

22.452,4

12,0

Exporte

18.427,9

20.814,0

12,9

Handelsbilanzsaldo

-1.626,7

-1.638,4

-

Quelle: Statistikamt Slowenien

Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)

SITC Warengruppe

2010

2011

Veränderung 2011/2010

0 Nahrungsmittel/lebende Tiere

1.296

1.492

15,1

5 Chemische Erzeugnisse

2.748

3.028

10,2

.51 Organische Chemikalien

411

490

19,2

.54 Arzneimittel

744

788

5,9

.57 Kunststoffe in Primärformen

532

589

10,7

6 Vorerzeugnisse

3.854

4.298

11,5

.67 Eisen/Stahl

899

1.055

17,4

7 Maschinen und Fahrzeuge

6.039

6.346

5,1

.71 Kraftmaschinen

456

459

0,7

.72 Arbeitsmaschinen

365

429

17,5

.74 Maschinen für verschiedene Zwecke

774

852

10,1

.77 Elektrische Maschinen

1.304

1.440

10,4

.78 Kraftfahrzeuge

2.039

2.166

6,2

8 Fertigerzeugnisse

2.003

2.151

7,4

.87 Mess-, Prüf- und Kontrollinstrumente, -apparate und -geräte

273

289

5,9

Quelle: Statistikamt Slowenien

2 Branchen im Überblick

Der slowenische Markt ist 2012 breit vom wirtschaftlichen Abschwung betroffen. Im verarbeitenden Gewerbe gab es in den ersten fünf Monaten 2012 nur noch wenige Branchen mit Produktionswachstum, unter anderem bei Getränken, Bekleidung, Lederwaren, Metallen, EDV-Hardware sowie Maschinen und Anlagen. Selbst die Produktion der traditionell robusten Chemieindustrie (ohne Pharma) schrumpfte. Wegen der Kreditklemme kommen vorläufig vor allem kleinere, mit EU- oder Regierungshilfen geförderte Projekte in Gang. Dazu gehören Energieeffizienzinvestitionen im Gebäudebereich, aber auch in einigen exportorientierten Industriezweigen. Die Krankenhäuser wollen mehr für Investitionen ausgeben. Unter anderem werden Notfallstationen mit EU-Hilfen gebaut. E-Health-Systeme dürften gefragt sein. Im Infrastruktursektor haben die großen Energieprojekte Vorrang, für die Planungshürden abgebaut werden.

Maschinen- und Anlagenbau

In Slowenien hat in den ersten vier Monaten 2012 die Dynamik bei den Importen von Maschinen und Anlagen spürbar nachgelassen (+2,1% gegenüber der Vorjahreszeit). Im Jahr 2011 waren sie noch knapp zweistellig gestiegen. Wegen der anhaltenden Kreditklemme rechnet die Europäische Kommission 2012 für Ausrüstungsinvestitionen nur noch mit einer realen Zunahme um 1,2% (2011: 6,3%). Das verarbeitende Gewerbe bekommt inzwischen deutlich weniger Impulse von seinen Exportmärkten. Die Industrieproduktion entwickelt sich seit Mitte 2011 gering. Das neue Wachstumspaket der Regierung mit sukzessiver Senkung der Körperschaftsteuer auf 15% bis 2015 verspricht 2012 noch keine Wirkung bei den Investitionen zu zeigen. Erweiterungsvorhaben in der slowenischen Kfz-, Elektro- und Pharmaindustrie gehen aber noch mit erhöhter Maschinennachfrage einher. Energieeffizienz spielt eine wachsende Rolle. Die Sägewerke müssen modernisiert und neue Anlagen sollen gebaut werden. Die großen Kraftwerksprojekte kommen nach wie vor nur langsam voran.

Kfz-Industrie

In der slowenischen Kfz-Industrie haben sich die Aussichten im 1. Quartal 2012 wieder etwas verbessert. Der Auftragseingang stieg gegenüber dem Vorjahrszeitraum um 2,8%. Angelaufen sind die Baumaßnahmen im Renault-Werk in Novo Mesto, wo bis 2014 rund 370 Mio. Euro in die Anlagen zum Bau viertüriger Twingo- und Smart-Modelle investiert werden sollen. Die Investitionspläne einer Reihe exportorientierter Kfz-Teilehersteller waren wegen Finanzierungsengpässen ins Stocken geraten. Während in den ersten vier Monaten 2012 die Neuzulassungen von Pkw und Lkw gegenüber der Vorjahreszeit stark eingebrochen sind (-13,7% beziehungsweise -29,7%), verharrte der Absatz von leichten Nutzfahrzeugen auf Vorjahrsniveau, die Einfuhren gaben gleichzeitig nach. Luxusautos werden ab Mitte 2012 stärker besteuert. Eine Wachstumsnische sind Kleinwagen. Der Kauf von Elektro- und Hybridautomobilen wird staatlich gefördert.

Chemie

Die slowenischen Einfuhren von chemischen Erzeugnissen haben sich in den ersten drei Monaten 2012 fortgesetzt positiv entwickelt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahmen sie um 3,5% zu. Allerdings bekommt der exportorientierte slowenische Chemiesektor die Wirtschaftsabkühlung im Ausland zu spüren. Seine Auftragseingänge waren im gleichen Zeitraum rückläufig (-1,3%), und die Erzeugung sinkt. Eine rege Investitionstätigkeit ist jedoch bei den Pharmaproduzenten und vielen kleinen Kunststoffverarbeitern zu beobachten. Der Absatz von Bauchemikalien leidet unter der anhaltenden Flaute in der Baubranche. Eine Ausnahme bildet die Sparte energieeffizientes Bauen und Sanieren. Die Landwirtschaft hat über die Jahre hinweg an Bedeutung verloren und wächst voraussichtlich auch künftig kaum noch. Im Zeichen der staatlichen Sparmaßnahmen stagniert der Arzneimittelmarkt wohl auch 2012.

Bauwirtschaft

Der Bausektor kommt in Slowenien noch nicht aus der Talsohle heraus. Nach Angaben des Wirtschaftsforschungsinstituts IMAD soll die Bruttowertschöpfung in der Branche 2012 erneut um 5,5% sinken. Eine Stabilisierung sei erst 2013 in Sicht. Die Bauindustrie ist stark von einem Angebotsüberhang bei Wohnungen und von Insolvenzen betroffen und muss Kapazitäten abbauen. Einst führende Unternehmen wie SCT und Vegrad sind in den Konkurs gegangen, Mitte 2012 folgte ihnen auch der Bauriese Primorje. Marktchancen bieten sich in Nischen wie zum Beispiel bei der Energiesanierung von Gebäuden. Neue öffentliche Investitionen in die Bahn-, Energie- und Hafeninfrastruktur verzögerten sich wegen langwieriger Raumplanungsverfahren und knapper Haushaltsmittel immer wieder. Die neue Regierung hat die Reform des Baugenehmigungsrechts in Angriff genommen.

Elektrotechnik/Elektronik

Die slowenischen Importe von elektrotechnischen Ausrüstungen (SITC 77) brachen in den ersten drei Monaten von 2012 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,8% nach einem kräftigen Anstieg von 9,0% im Vorjahr ein. Auch in der slowenischen Elektroindustrie blieben die Auftragseingänge im 1. Quartal 2012 um 4,1% hinter dem Stand vor Jahresfrist zurück. Einige Marktnischen bieten aber weiterhin Geschäftschancen. So investieren slowenische Unternehmen im Rahmen von Energieeffizienzmaßnahmen in neue Kesselbrenner, moderne Regeltechnik sowie Industrieelektronik. Slowenien will sich als Standort für Mechatronik und Adaptronik etablieren. Hauptabnehmer sind dabei die Hersteller von Haushaltsgeräten und Energiemanagementsystemen sowie die Automobilindustrie. Das Konsumgütersegment und bauabhängige Sparten tendieren im Inland immer noch schwach.

Informations- und Kommunikationstechnik

Marktanalysten erwarten 2012 noch keine Erholung auf dem slowenischen IKT-Markt. Der IT-Verbrauch ist 2009 um 10,2%, 2010 um 4,4% (auf 873 Mio. US$ gemäß IDC Adriatics) und 2011 um 1,5% geschrumpft. Im Vordergrund steht künftig die Nachfrage nach kostensenkenden IT-Lösungen wie Cloud-Computing sowie nach Programmen zur Produktverfolgung und Qualitätskontrolle. Mithilfe von EU-Fördermitteln wird das Breitbandnetz im ländlichen Raum ausgebaut. Um allen Haushalten Anschlüsse von 2 bis 10 Mbit/s zu sichern, sind nach Experteneinschätzung Investitionen von 350 Mio. bis 500 Mio. Euro nötig. Geschäftschancen für IKT-Anbieter ergeben sich aus der rasch steigenden Nachfrage nach schnellen mobilen Datenübertragungen. Allerdings dürfte der Infrastrukturausbau dafür erst ab 2014 beginnen.

Umwelttechnik

Dank der EU-Kohäsionsfondsmittel laufen in Slowenien zahlreiche öffentliche Investitionen in den Umweltschutz. Allerdings kommen diese - trotz guter Mittelausschöpfung - teilweise nur schleppend voran. Der Ausbau von regionalen Abfallzentren steht im Zeichen langer Vergabeverfahren und der im inländischen Bausektor verbreiteten Insolvenzen. Nachholbedarf gibt es bei Kompostierungs- und Verbrennungsanlagen. In der Wasserwirtschaft stehen Investitionen in die Ver- und Entsorgung der landesweit sehr verbreiteten Streusiedlungen an sowie in die Optimierung von Leitungssystemen. In Gebieten ohne Kanalisation müssen bis 2017 alle Haushalte eigene Biokläranlagen bauen. Stärker investieren werden voraussichtlich ab 2013 auch Industriebetriebe, um den Erfordernissen der neuen EU-Richtlinie über Industrieemissionen (vormals IPPC) nachzukommen.

Medizintechnik

Die slowenischen Importe von Medizintechnik haben sich 2011 um 2,5% auf 153 Mio. Euro leicht verringert. Laut Marktforschungsinstitut Espicom entfallen rund 75% aller Gesundheitsausgaben auf öffentliche Einrichtungen. Im Jahr 2012 sieht das Gesundheitsministerium für Investitionen in staatliche Krankenhäuser (einschließlich Medizintechnik) 95 Mio. Euro vor. Im Folgejahr soll dieser Betrag auf 179 Mio. Euro steigen. Bis Ende 2014 ist mit EU-Fördermitteln in Höhe von 35 Mio. Euro der Ausbau von insgesamt zehn Notfallzentren geplant. Finanzierungslücken im Budget der Pflichtkrankenkasse ZZZS schlagen sich in längeren Zahlungsfristen der Gesundheitseinrichtungen nieder. Eher schwach bleiben angesichts der gesunkenen Kaufkraft die Investitionen der Privatkliniken und der über 1.500 niedergelassenen Ärzte.

Energieeffizienz

Wegen der hohen Kostenwirksamkeit von Energieeffizienzinvestitionen gewinnen diese im Vergleich zur Erschließung von erneuerbaren Energiequellen in Slowenien an Bedeutung. Die Förderung ist im Sommer 2012 weiter ausgebaut worden. So stellen die großen Energieversorger neue, nichtrückzahlbare Mittel sowohl für Energieeffizienzmaßnahmen im öffentlichen als auch im industriellen Sektor bereit. Private Haushalte haben seit Juni 2012 Zugang zu mehr Fördermitteln des slowenischen Umweltfonds (Eko sklad). Förderfähig sind unter anderem energieeffiziente Beleuchtungssysteme und Elektromotoren, moderne Kessel, Wärmerückgewinnungs- sowie Heizungs- und Kühlungsanlagen, Monitoringtechnik, Mess- und Regeltechnik sowie Energieaudits. Bei Wohnungen stehen Einzelmaßnahmen wie Fenster- und Türenaustausch und Wärmedämmung von Fassaden vorläufig im Mittelpunkt.

Holzverarbeitung

Die slowenische Holzverarbeitungsindustrie hat einen erheblichen Modernisierungsbedarf. Der Ausstoß der Holzverarbeiter leidet unter der anhaltenden Krise in der Bauwirtschaft des Landes und rückläufiger Nachfrage der im EU-Vergleich wettbewerbsschwachen Möbelindustrie. Diese ist bei Halbwaren stark auf Importe angewiesen. Der neue Aktionsplan der Regierung für die Holzindustrie zielt darauf ab, die gesamte Wertschöpfungskette von der Forstwirtschaft bis zur Möbelindustrie zu stärken. Bis 2020 sollen demnach bis zu acht neue Säge-und Furnierwerke entstehen, nicht zuletzt als Lieferant von Holzbiomasse zur Energieerzeugung. Marktnischen werden für slowenische Hersteller von hochwertigen Möbeln gesehen sowie von Fertighäusern und Fertigbauteilen. Bauelementen aus Holz will der Staat ab Mitte 2012 im Rahmen von "grünen" öffentlichen Beschaffungen den Vorrang geben.

 

Quelle: www.gtai.de