Ernüchternde Zwischenbilanz / Langfristig aber viel Bedarf / Von Oliver Döhne
Sao Paulo (GTAI) - Die sportlichen Großereignisse halfen Brasiliens Metropolen wenig beim Ausbau ihres Personennahverkehrs. Zahlreiche Projekte verzögerten sich und Kosten explodierten. Nun sind auch noch die öffentlichen Kassen leer. Ähnliches gilt für die Güterverkehrsstrecken, an deren Ausschreibungen es noch zu haken scheint. Hersteller von Bahntechnik setzen angesichts der langfristig guten Perspektive und dem enormen Nachholbedarf dennoch auf Brasilien und investieren in eine lokale Produktion.
Die politische Lage mit dem laufenden Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff erlaubt keine detaillierten Prognosen, welchen Stellenwert der Ausbau der urbanen Mobilitätsinfrastruktur unter einem neuen Präsidenten haben wird. Einerseits ist der Bedarf an neuen Nahverkehrslinien so groß, dass sich die künftig Verantwortlichen diesem Thema intensiv werden widmen müssen. Von den 63 Ballungsräumen im Land besitzt erst ein Dutzend einen öffentlichen Personenschienenverkehr. Andererseits beschneidet gerade das Haushaltsdefizit, über das Rousseff zu stürzen scheint, den Infrastrukturausbau. Die nationale Entwicklungsbank BNDES wird 2016 vorerst 20 bis 25% weniger für urbane Mobilität bereitstellen. Im Vorjahr waren es rund 8,5 Mrd. R$ (Real; gut 2 Mrd. Euro; 1 Euro = derzeit 4,00 R$). Dafür legt die Bank eine Sonderkreditlinie für Projektstudien für öffentlich-private Partnerschaften (PPP) im städtischen Nahverkehr auf. Mit Sicherheit wird dem Privatsektor eine erhöhte Bedeutung bei Ausbau und Betrieb zukommen.


